Geologie & Wissenschaftsgeschichte
Osservatorio Geofisico der Grande Sentinella
Oberhalb von Casamicciola steht ein bedeutendes Denkmal der frühen italienischen Seismologie. Das Observatorium der Grande Sentinella ist eng mit Giulio Grablovitz und den wissenschaftlichen Folgen des Erdbebens von 1883 verbunden.
Vom Erdbeben zum Messnetz
Nach den schweren Ischia-Erdbeben von 1881 und 1883 beschloss der italienische Staat den Ausbau der geodynamischen Beobachtung. Das Observatorium von Casamicciola wurde 1884 nach einem Entwurf von Giulio Grablovitz gegründet. Die Grande Sentinella war bewusst gewählt: Der Standort lag im zentralen Bereich der schweren Erdbebenschäden und bot zugleich einen festen Untergrund und ein weites Beobachtungsfeld.
Giulio Grablovitz auf Ischia
Grablovitz kam Ende 1884 im Auftrag der geodynamischen Kommission auf die Insel. Er verband Seismologie, Meteorologie und Meeresbeobachtung und entwickelte eigene Instrumente. Neben der Hauptstation in Casamicciola entstand eine Hilfsstation bei Ischia Porto, die Grablovitz für einen großen Teil seiner täglichen Arbeit nutzte.
Beginn der Messreihen
Das Gebäude der Grande Sentinella wurde einige Jahre nach der Gründung eingeweiht. Regelmäßige meteorologische Beobachtungen begannen 1888; die seismologische Station arbeitete ab 1889 über mehrere Jahrzehnte. Damit gehört Ischia zu den frühen Orten kontinuierlicher instrumenteller Erdbebenbeobachtung in Italien.
Die seismische Wanne
Zu den ungewöhnlichsten Instrumenten von Grablovitz zählt die vasca sismica, eine seismische Wasserwanne. Grablovitz nutzte die durch Bodenbewegungen angeregten Schwingungen von Wasser, um auch weit entfernte Erdbeben zu registrieren. Aus Beobachtungen nach einem japanischen Erdbeben von 1894 entwickelte er das Prinzip weiter und schuf 1895 ein für die damalige Zeit außergewöhnliches Messinstrument.
Ein wissenschaftliches Kulturerbe
Heute ist das Observatorium vor allem als historisch-wissenschaftliches Kulturerbe wichtig. Das INGV und die Gemeinde Casamicciola haben in den vergangenen Jahren gemeinsam an seiner wissenschaftlichen Vermittlung und Aufwertung gearbeitet. Da Zugang und Veranstaltungen variieren können, nennen wir hier bewusst keine dauerhaften Öffnungszeiten.
Verbindung zur Katastrophe von 1883
Die Entstehung des Observatoriums lässt sich am besten zusammen mit dem Erdbeben von Casamicciola 1883 verstehen. Beide Themen zeigen, wie aus einer Katastrophe neue wissenschaftliche Beobachtungsnetze und eine systematischere Auseinandersetzung mit Naturgefahren entstanden.