Geologie & Natur

Bosco della Maddalena und Rotaro – Wald auf einem jungen Vulkankomplex

Oberhalb von Casamicciola liegt eine der geologisch spannendsten Waldlandschaften Ischias. Der Bosco della Maddalena überdeckt Teile des Rotaro-Komplexes: Krater, Lavadome, pyroklastische Ablagerungen und hydrothermale Erscheinungen liegen hier auf engem Raum nebeneinander.

Ein Wald mit vulkanischem Untergrund

Der Bosco della Maddalena umfasst ungefähr 45 Hektar zwischen Casamicciola, Ischia und Barano. Steineichen, mediterrane Macchia und angepflanzte Pinien wachsen auf sehr unterschiedlichen vulkanischen Substraten. Gerade dieser Wechsel aus Wald, Kraterrändern und offenen Aufschlüssen macht das Gebiet für Geologie, Botanik und Landschaftsgeschichte besonders interessant.

Der Rotaro ist kein einzelner Krater

Der Rotaro gehört zu den seltenen polygenetischen Vulkanzentren Ischias. In den letzten Jahrtausenden kam es hier nicht nur zu einer einzigen Eruption, sondern zu mehreren explosiven und effusiven Phasen. Das Osservatorio Vesuviano beschreibt mindestens neun Eruptionen und eine Verlagerung der Förderschlote nach Norden entlang einer etwa Nord-Süd gerichteten eruptiven Struktur.

Vom Puzzillo zum Fondo d’Oglio

Zu den älteren Produkten gehören die pyroklastischen Ablagerungen des Puzzillo. Später entstand im Bereich des Bosco della Maddalena ein Lavastau- beziehungsweise Lavadom. Nachfolgende strombolianische Aktivität bildete den deutlich erkennbaren Krater des Fondo d’Oglio. Weitere pyroklastische Ablagerungen und kleine Lavadome zeigen, dass sich die Aktivität innerhalb des Komplexes mehrfach verlagerte.

Funnulillo ist nicht Fondo d’Oglio

Im Gelände werden die zahlreichen Formen leicht miteinander verwechselt. Der Funnulillo und der Fondo d’Oglio sind jedoch unterschiedliche vulkanische Strukturen innerhalb desselben Rotaro-Systems. Der Funnulillo ist ein kleiner parasitärer Krater im Bereich des Bosco della Maddalena und bildet zusammen mit benachbarten Domen und Gängen ein besonders anschauliches Geotop.

Pietra di Voie, vulkanischer Gang und Fumarolen

Zum geologischen Ensemble gehören der Dom von Pietra di Voie, weitere kleine Domstrukturen, ein freigelegter vulkanischer Gang (Dyke) sowie Fumarolen im Bereich des Fußballplatzes von Casamicciola. Ein Dyke entsteht, wenn Magma eine Spalte durchdringt und darin erstarrt. Fumarolen zeigen dagegen den heutigen Wärme- und Gastransport im hydrothermalen System.

Aktuelle Begehbarkeit – Stand August 2026

Der Bosco della Maddalena ist zurzeit nicht überall gut begehbar. Teile der Pinienbestände sind durch Borkenkäferbefall und das Absterben von Bäumen stark geschädigt. Abgestorbene Stämme, herabfallende Äste und notwendige Forstarbeiten können Wege beeinträchtigen oder zeitweise unpassierbar machen. Diese Situation ist kein dauerhafter Zustand des Wandergebietes, muss aber bei einer Tourenplanung derzeit berücksichtigt werden.

Warum das Gebiet so wichtig ist

Hier lässt sich die Entwicklung eines jungen Vulkankomplexes auf kurzer Strecke nachvollziehen: explosive Ablagerungen, Kraterbildung, Lavadome, Gänge und bis heute aktive hydrothermale Erscheinungen. Gleichzeitig zeigt der Wald, wie Vegetation und menschliche Nutzung auf vulkanischem Untergrund ein eigenständiges Landschaftsbild geschaffen haben.

Funnulillo genauer ansehen

Die kleinräumigen Strukturen stellen wir auf einer eigenen Seite vor: Funnulillo, Pietra di Voie, Dyke und Fumarolen. Weitere Hintergründe finden Sie unter Casamicciola Terme.

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