Geotop im Rotaro-Komplex

Funnulillo, Pietra di Voie, Dyke und Fumarolen

Im Bosco della Maddalena liegt ein kleines geologisches Lehrbuch im Gelände: der parasitäre Krater Funnulillo, benachbarte Lavadome, ein vulkanischer Gang und aktive Fumarolen zeigen unterschiedliche Stadien vulkanischer und hydrothermaler Prozesse auf engem Raum.

Der Funnulillo – ein eigener Krater

Der Funnulillo liegt im Rotaro-Komplex bei etwa 40°44'46.16" N, 13°55'15.49" E. Er ist als kleiner parasitärer Krater zu verstehen und darf nicht mit dem größeren Fondo d’Oglio verwechselt werden. Die räumliche Nähe verschiedener Förderschlote ist typisch für die mehrphasige Entwicklung des Rotaro.

Pietra di Voie und weitere Domstrukturen

Östlich des Funnulillo liegt der Dom von Pietra di Voie bei ungefähr 40°44'47.67" N, 13°55'20.35" E. Nordwestlich befindet sich eine weitere Domstruktur im Bereich Monte Tabor. Solche Lavadome entstehen, wenn relativ zähflüssiges Magma nahe der Oberfläche austritt und sich über oder unmittelbar neben dem Förderschlot aufwölbt.

Der Dyke – ein erstarrter Magmenweg

Ein vulkanischer Gang oder Dyke ist eine mit Magma gefüllte Spalte, die nach dem Erstarren als meist steil stehender Gesteinskörper erhalten bleibt. Im Gebiet des Funnulillo macht ein solcher Gang sichtbar, dass Magma nicht nur an einem zentralen Krater aufsteigen muss, sondern vorhandene Brüche und neue Spalten nutzen kann.

Fumarolen am Fußballplatz

Nahe dem Fußballplatz von Casamicciola treten bei etwa 40°44'47.08" N, 13°55'11.98" E warme Gase und Wasserdampf aus. Diese Fumarolen gehören zum heutigen hydrothermalen System Ischias. Sie sind kein Beleg dafür, dass Magma unmittelbar unter der Oberfläche steht, zeigen aber deutlich, dass Wärme und Fluide im Untergrund weiterhin zirkulieren.

Wärme schafft besondere Mikrostandorte

Fumarolen beeinflussen Temperatur und Feuchtigkeit des Bodens. In solchen Bereichen können Pflanzen vorkommen, die in der übrigen mediterranen Vegetation ungewöhnlich sind. Gerade im Rotaro-Gebiet ist die enge Verbindung von Geologie, Bodenwärme und Vegetation besonders gut zu beobachten.

Dokumentation 2025–2026

EuroGeoPark dokumentiert den Bereich um Funnulillo, Pietra di Voie und die Fumarolen seit 2025 wiederholt fotografisch und im Gelände. Dabei wurden im Umfeld auch Baustelleneinrichtungen, Erdarbeiten und Veränderungen der Geländeoberfläche festgehalten. Für die fachliche Dokumentation ist entscheidend, die einzelnen vulkanischen Strukturen räumlich sauber voneinander zu unterscheiden und ihre heutige Erkennbarkeit langfristig zu erhalten. Diese Dokumentation beschreibt beobachtete Veränderungen; sie ersetzt keine verwaltungsrechtliche Bewertung einzelner Maßnahmen.

Ein empfindliches Geotop

Funnulillo, Dome, Gang und Fumarolen sind kleinräumige geologische Strukturen und sollten nicht durch Abgrabungen, Verfüllungen oder unnötiges Betreten empfindlicher Bereiche verändert werden. Für die geologische Vermittlung sind sie besonders wertvoll, weil mehrere Prozesse an einem einzigen Standort nachvollzogen werden können.

Begehbarkeit und Sicherheit

Die Wege im Bosco della Maddalena sind aktuell stellenweise durch abgestorbene Pinien und Forstarbeiten beeinträchtigt. Wer das Gebiet besucht, sollte nur sichere und freigehaltene Wege benutzen, nicht in Fumarolenfelder treten und Abstand zu instabilen oder abgestorbenen Bäumen halten.

Der größere Zusammenhang

Mehr zur Entwicklung des gesamten Systems finden Sie unter Bosco della Maddalena und Rotaro. Die Thermal- und Erdbebengeschichte des Ortes ist auf Casamicciola Terme zusammengefasst.

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